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Dr. Holger Lund
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Katja Dell
Getrumpfte Banalität

Ausstellung in der Manufaktur Schorndorf

vom 28.02. - 31.03.2000

Text von Holger Lund

Getrumpfte Banalität

Katja Dell, geboren 1970, entfloh alsbald der drohenden Hektik der Werbewelt, indem sie den Schwerpunkt ihrer Ausbildung an der Kunstakademie Stuttgart vom Studium des Grafik-Designs (bei Pospischil) zur Fotografie (bei Seiland) verlagerte. Dem Baudelaire'schen Flaneur gleich, erkundet sie seitdem gemäßigten Schrittes aber wachsamen Auges die Welt. Was sie dabei erspäht hat, konnte sie unter anderem in Ausstellungen in New York (Magnum) und in Paris (Musée d'Art Moderne) vorführen.

Banalitäten menschlicher und dinglicher Art sind es, welche die Künstlerin auf ihren Spaziergängen sammelt. Wenn sie den Betrachter mit der Fotografie einer Toilette konfrontiert, ist es allerdings nicht ihr erklärtes Ziel, die bürgerliche Kunstwelt zu schockieren, wie zu Zeiten von Duchamps verkunstetem Männerpissoire. Doch bleibt es allemal irritierend, die alltäglichsten Objekte als kunstwürdig präsentiert zu bekommen - und genau dies Moment der Irritation ist es, das einen aufmerksameren Blick auf das wohlbekannte Objekt bedingt und seine Neuentdeckung in einem anderen, nämlich künstlerischen Zusammenhang ermöglicht.

In den Grundthemen der Arbeiten Katja Dells lässt sich eine Nähe zu den vorangegangenen Fotoausstellungen nicht leugnen, im Gegenteil, sie vereinen deren Hauptanliegen geradezu in der Thematisierung des Blicks, im Aufbrechen alltäglicher Sehgewohnheiten und in der Hinwendung an die Peripherie. Zwar stürzt sich die Künstlerin durchaus ins Getümmel der großen Stadtzentren und in zentrale Anlässe, wo sie dann jedoch mit freiem Blick die Randphänomene aufspürt. Nicht die makellose Schönheit der hundertfach abgelichteten Stars reizt sie bei den Filmfestspielen in Cannes, sondern das einfache Fußvolk in all seiner betörenden Bizarrerie. Dem Einkaufsgetöse der Metropolen entrissen, werden die Modepuppen, banale Trägerinnen der merkantilen Grundbotschaft "Kauf" was ich hab'?, in mysteriös-hieratischem Schweigen versinkend und mit Aureole versehen, zu unergründlichen Göttinnen einer Welt jenseits des Kaufrausches. So wird, richtig eingesetzt, Banalität zum Trumpf im Spiel um Kunst.

Die vorläufigen Trümpfe Katja Dells präsentiert die Bilderwand vom 28.02.2000 bis zum 31.03.2000. Vorläufig, da nicht der Stillstand einer einmal gefundenen Lösung es ist, was die Künstlerin interessiert, sondern die stete Fortentwicklung im Weiterflanieren - demnächst in Hong-Kong und New York. Katja Dells Fotoarbeiten setzten die Reihe "Fotografie" fort, innerhalb welcher in lockerer Folge Fotoarbeiten gezeigt werden.



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