Dr. HOLGER LUND Home | CV | Projekte | Publikationen | Presse | Impressum |
Dr. Holger Lund
holgerlund@gmx.de


<< Zurück


Andrea Schwarz Il faut cultiver notre jardin - Porträts im indirekten Modus

Ausstellung in der Manufaktur. Forum für Kultur und Politik, Schorndorf

05.06.-31.07.2000

Text von Cornelia Lund

 

Il faut cultiver notre jardin

Nicht die freie Natur ist's jedoch, die es Andrea Schwarz, geboren 1973, angetan hat, obwohl dies angesichts einer grünumwallten Jugend in Beutelsbach so abwegig nicht wäre. Das Interieur, die inneren Belange einer Wohnung sind es vielmehr, denen die Künstlerin mit unbestechlich formalistischem Blick zu Leibe rückt. Diesen Blick hat sie sowohl während ihres Studium an der Kunstakademie Stuttgart (vor allem bei Prof. Gäfgen), als auch in der Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte und den Möglichkeiten des Grafikdesigns geschult.

Menschenleer sind die Fotografien, und dennoch voll menschlicher Spuren. Die immer wiederkehrenden elementaren Einrichtungsgegenstände - Tisch, Stuhl und Bett - tragen die Abdrücke und Marken ihrer Besitzer, deren Porträt die Künstlerin anhand ihrer charakteristischen Wohnsituation erstellt. Anders als in den Arbeiten Nan Goldins etwa, welche Andrea Schwarz ohne Zögern in die Reihe ihrer Anreger einordnen würde, bevölkern die Porträtierten ihre Porträts nicht selbst. Ihre unbelebte tägliche Umgebung wird zu ihrem Platzhalter, nicht ohne enthüllende Einblicke in ihre Persönlichkeit zu gewähren. In diese Umgebung, die Wohnung, dringt Andrea Schwarz ein, schlüsselbewehrt und in Abwesenheit der Bewohner, um zu dokumentieren, was sich an objektiven Raumtatsachen darbietet. Ohne verfälschendes Stühlerücken oder arrangierendes Umgestalten. Subjektiver Eingriff ist hier allein die Wahl des Blickwinkels, des Bildausschnittes. Bei dieser Wahl kultiviert die Künstlerin nicht etwa - wie dies die Anspielung auf Voltaire im Ausstellungstitel suggerieren mag - ein philosophische verbrämtes Konzept; kultiviert wird einzig der Blick für die gelungene formale Komposition, die glückliche Zusammenstellung von Farbe und Form.

So gerät das philosophische Zitat zum schwarzen Formwert im minimalistischen Spiel um die Verteilung von Linie und Kreis auf der Fläche. Als pinkstrahlender Farb- und Formwert wird auch der Mensch, ist er denn einmal zu sehen, der Komposition einverleibt. In die streng nach formalen Gesichtspunkten angelegten Fotografien schleicht sich nicht selten voll Ironie ein besonders enthüllendes dekoratives Detail ein: der mehrfach blaugeblümten Schlafzimmerorgie setzt etwa ein blaugelockter Stoffpudel die Krone auf.

Mit den Kronen der bisherigen Schöpfungen von Andrea Schwarz präsentiert die Bilderwand vom 05.06.2000 bis zum 31.07.2000 intelligente Versuche, ein zentrales Problem künstlerischer Arbeit, die gelungene Anordnung von Farbe und Form, zu bewältigen. Andrea Schwarz' Fotoarbeiten setzen die Reihe "Fotografie" fort, innerhalb welcher in lockerer Folge Fotoarbeiten gezeigt werden.



<< Zurück