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Dr. Holger Lund
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Rüdiger Penzkofer - Tod und Wiederauferstehung der Malerei am Pool mit Palmen

Ausstellung Meppener Kunstkreis

O9.11.-02.12.2001

Text von Holger Lund

 

Begrüßung

Rüdiger Penzkofer - Tod und Wiederauferstehung der Malerei am Pool mit Palmen

- ein merkwürdiger Ausstellungstitel, der Erhellung verdient - in dem Maße, wie die Person des Künstlers von mir zunächst überdunkelt werden wird. Denn seine Werke sind es, und nicht er selbst, die hier hängen - tragisch wär's, wenn er hier hängen würde! - und seine Werke sind es, Sie hier erwerben können. Diese können beispielsweise Ihre Wohnung verschönen, während des Künstlers Arm unverkäuflich an ihm selbst haften bleibt. Dank meines methodischen Kunstgriffes versenke ich also vorerst kurzerhand den Künstler, um mich seinen Werken zu widmen.

Kaum eine künstlerische Technik ist so gründlich in Verruf geraten wie der Linolschnitt. Wer erinnerte sich nicht der Stunden mühevollen Schnitzens und Schwitzens in der Schule, verbracht in Räumen, deren lösungsmittel-geschwängerte Luft leider nicht entfernt jenen Grad der Berauschung erzeugte, der nötig gewesen wäre, um tatsächlich inspirierte Meisterwerke zu schaffen oder endlich alles gründlich zu vergessen.

Jedoch: Nicht kleinliche Aufarbeitung der Kindheit ist es, die Rüdiger Penzkofer mit seinen Linolarbeiten betreibt. Was ihn reizt, ist der mediale Mix, der seine Linolarbeiten von den schulgeborenen unterscheidet. Zunächst: Penzkofer bremst das graphische Moment aus, denn seine Linolarbeiten sind nicht für den Druck bestimmt. Stillgelegte Graphik also. Dann: Indem er die druckreifen Linolplatten bemalt, läßt er sie ins Medium der Malerei hineinpendeln; und weil das Ganze reliefhaft ist, kommt noch ein weiteres Medium, die Plastik, mit ins Spiel. Auf diese Weise, medial mixend, gelingt es Penzkofer, die traditionelle Malerei geschickt weiterzuführen, sie nicht aufgebend, sondern in einen mediale Kreuzung integrierend. Dort kann sie sich, erfrischt vom Ungewöhnlichen, trotz aller Abgesänge behaupten - als durchaus nicht totzukriegende mediale Gattung,

Ähnlich verhält es sich mit den Glasarbeiten des Künstlers. Glas, das seit der mittelalterlichen Glasmalerei und neuerdings mit Duchamp und Adepten als Bildträger fasziniert, verwendet Penzkofer bei seinen Glasarbeiten just nicht als diaphanes, also durchscheinendes Medium, sondern bemalt es so, dass undurchdringliche Flächen entstehen. Diese künden gleichwohl einerseits von der Materialität des Bildträgers, dem Glas, andererseits verleugnen sie die Materialität der Farbe nicht, die ansonsten in der Diaphanie eines Glasbildes eher zu versinken droht. Wiederum wird somit die Malerei letztlich gerettet, nun im Widerspiel mit dem Bildträger.

Dass Pool und Palmen im Titel der Ausstellung erscheinen, hat seine Gründe, sind doch ideogrammhaft, also zeichenhaft bearbeitete Palmen und wassertiefes Blau sehr wohl kennzeichnend für Penzkofers Bilder. Nicht allein die Malerei ist es jedoch, die sich als Gattung in Penzkofers Kunst erquickt, auch der Betrachter selbst kann - ungeniert, weil ästhetisch geläutert - seiner Freude an Pool und Palmen frönen, jenen Motiven, die in der Beliebtheitsskala nicht nur der Reisewerbung sondern auch der verregneten deutschen Herzen einen Spitzenplatz einnehmen. Penzkofers Bilder holen den Betrachter da ab, wo er just nicht ist, um ihm, heimlich und doch insistierend, Kunst zu verabreichen, auf dass sich die ästhetische Läuterung auf ihn übertrage - am Pool mit Palmen.

Nachdem dem Titel der Ausstellung und den Werken jene Aufmerksamkeit gewidmet worden ist, die ich beidem zu widmen versprach, bleibt noch die Person des Künstlers, die ich vorhin in die Versenkung geschickt habe - rein rhetorisch, versteht sich -, um sie nun noch lichtvoller vor Ihre Augen zu führen:

Das Licht der Welt: für Rüdiger Penzkofer erschimmerte es am 1962 in Stuttgart, seit diesem Tag ist er artikulationsfähig. Seine künstlerische Artikulationsfähigkeit vertiefte er durch autodidaktische und akademische Studien. Das Licht der Welt betrachtete Penzkofer als freischaffender Künstler anschließend von Bonn und Nürnberg aus, um es dann, seit 1990, bevorzugt von Schorndorf aus zu genießen, einer Stadt in der Größe von Meppen bei Stuttgart. Ab 1993 ist er als freier Mitarbeiter des Kulturzentrums Manufaktur in Schorndorf tätig.

Sein Interesse für soziale, kulturelle und künstlerische Zusammenhänge lieferte ihm ferner die Energie, seit 1996 als Vorsitzender des Kunstvereins Schorndorf denselben als Bastion des guten Geschmackes zu halten - darin gleichen sich die Aufgaben in Schorndorf und Meppen.

Doch vergaß Rüdiger Penzkofer darüber nicht seine eigenen Werke, im Gegenteil. Gruppen- und Einzelausstellungen beispielsweise in Göppingen, Bonn und Sydney - und Meppen - gaben und geben seine graphischen und malerischen Werke zur Ansicht frei.

Damit bin ich beim zentralen Kunstthema des Sehens angelangt. Viele vertraute Augen kann ich heute hier erblicken, denen ich für eine anderthalbjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit danken möchte - ohne Ihr Vertrauen wäre es zur Kunst als Arbeitsresultat nicht gekommen! Danken möchte ich insbesondere dem Vorstand des Meppener Kunstkreises für die erheiternden Zusammenkünfte, dem Kunstschulteam für den erheblichen Mut zum Computer und dem Sekretariat für faustdicke Geduld! Ihnen allen meinerseits ein tiefherzliches Dankeschön!



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